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Ich war ewig nicht auf der Wiesn, obwohl ich jedes Jahr von diesem fabelhaften Sender eine Einladung erhalte. Diesmal kann ich nicht, weil ich für ein Projekt im Ausland weile, aber ehrlich gesagt tut es mir leid. Ich würde gerne hingehen, alleine, um das Sozialverhalten der Menschen zu studieren. Jedes Jahr, wenn ich nicht kann, studiere ich dennoch einschlägige Seiten im Internet wie etwa den Klassiker „München kotzt“, um mit jedes Mal frischer Verblüffung zu betrachten, wie sich Menschen weit jenseits der Volljährigkeit mit Schwung und in durchaus beeindruckende Brech-Mandalas übergeben oder aber zwischen sich Übergebenden ein bisschen schmusen.

Wiesn-Ausetzer in Richtung Fremdgehen werden nicht gezählt

Den Wunsch, im Vollrausch Sex in der Öffentlichkeit zu haben, vor allem auf die Gefahr hin, sich in bereits Verdautem zu wälzen, ist mir persönlich fremd, aber als Sozialstudie finde ich das Phänomen durchaus interessant. Alleine schon der Gedanke an mit Bierresten und Brezelstückchen gefüllte Münder lässt mich sauer aufstoßen, aber dann auch noch Geschlechtsteile ineinander stecken zu wollen ist eine erstaunliche Demonstration des menschlichen Willens. Besonders erstaunlich finde ich, dass die meisten gar keinen besonderen Wert auf das „Mit Wem“ zu legen scheinen. Was wir alljährlich erleben, ist die absolute Entblößung menschlicher Rohheit. Derart auf das Minimum reduziert, finde ich auch, dass man Wiesn-Aussetzer in Richtung Fremdgehen eigentlich nicht zählen kann. Zu sagen „Du bist mir aber auf der Wiesn fremdgegangen“ ist in etwa so, als jemanden zum Schlammcatchen zu schicken und sich dann zu beschweren, dass die Person mit Dreck bekleckert ist.

Erlaubnis zum Ferkel sein

Ich ahne, dass die Wiesn bei Prominenten auch deshalb so beliebt ist, weil man sich hier, ähnlich wie in dem Film „The Purge“ einfach mal ungestraft wie ein absolutes Ferkel benehmen kann, ohne am nächsten Tag medial vernichtet zu werden. Wer auf der Wiesn öffentlich herumschnäbelt (dazu gerne Stefan und Claudia Effenberg und Knutschen googlen), gilt nicht zwangsläufig als entgrenzter Trottel, sondern vielmehr als Lebemann. Schön ist das natürlich trotzdem nicht.

Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich doch ganz froh, dass ich leider, leider keine Zeit haben werde. Auf diese Weise kann ich mir weiter einbilden, dass auf Fotos immer alles viel schlimmer aussieht, als es in Wirklichkeit ist.

 

Bleibt sauber! Alles Liebe
Paula