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Ich habe lange darüber nachgedacht, warum es heute vielen so schwer fällt, Beziehungen zu führen. Es liegt nicht, wie häufig angenommen, hauptsächlich daran, dass wir mehr Auswahl haben und auch sonst freier in den Entscheidungen sind, mit wem wir unser Leben verbringen. Und auch nicht daran, dass Frauen heute nicht mehr von einem Eheschluss anhängig sind, um überleben zu können. Es liegt, meine ich, daran, dass wir heute unsere Schatten angucken – als erste Generation überhaupt. Und dass diese Schatten einen großen Raum in unseren Beziehungen einnehmen.

Der Schatten ist das, was in unserem Unterbewusstsein an destruktiven Mustern (manchmal solche, die sich über Generationen angesammelt haben) und Verhaltensweisen oder Gedanken herumtobt. Der Schatten ist das, was sich wie eine Gewitterwolke über das Leben legt und uns in fiese, miese Tiefen führt, in deren Dunkel wir uns entweder entscheiden können, unser Ding weiter durchzuziehen („Er ist sowieso nicht der Richtige“, „Niemand versteht mich“ etc.) und die Beziehung zu sabotieren oder aber den Kampf aufnehmen und den Schatten versuchen, ins Licht zu zerren – was Heilung wäre.

Der Schatten stellt unser Unterbewusstsein dar

Wir sind die ersten, die dazu überhaupt in der Lage sind, weil uns eben die wirtschaftliche Not fehlt und die Gesellschaft, in der wir leben, liberal genug ist, um Entwicklung auszuhalten. Insofern ist das Ganze ein Geschenk – wäre da nicht die Anstrengung und manchmal sogar Schmerz, der damit einher geht.

Mein Schatten sagt zum Beispiel „Wenn ich es nicht selbst mache, dann klappt es sowieso nicht“. Das klingt nach maximal ein bisschen Kontrollzwang und Anstrengung, im Grunde aber harmlos. Ist es aber nicht. „Wenn ich es nicht selbst mache, dann klappt es sowieso nicht“ bedeutet in der Praxis, dass ich ganz schwer loslassen kann, dass ich Versuche von außen, mir Dinge abzunehmen, sabotiere. Dass ich Panik bekomme, wenn ich die Kapitänskajüte verlassen muss und dass ich unbewusst alles dafür tue, damit sich der Glaubenssatz bewahrheitet.

Wo Schatten ist gibt es auch viel Sonne

Das Muster zieht sich wie ein Pilzgeflecht durch all mein Handeln und ich lade jeden ein, sich seinen eigenen Pilzbefall mal genauer anzusehen, weil es einem unheimlich viel klar macht. Vor allem darüber, wie man warum Beziehungen führt. Schreibt einfach auf, was eure größten Ängste und Muster sind und reduziert das auf einen Satz. Dann wisst ihr, wie euer Schatten aussieht.

Das Gute daran ist natürlich, dass man ein Problem prima angehen kann, wenn es einmal isoliert ist. Ohne, das glaube ich fest, geht es heute nicht mehr, weil die Umstände, in denen wir heute Beziehungen führen, sich radikal geändert haben. Nicht vergessen: Wo Schatten ist, da muss auch sehr viel Sonne sein.

 

Alles Liebe

 

Paula