Lasst uns über Verhütung sprechen. Vor allem darüber, wie die Zuständigkeit dafür in heterosexuellen Beziehungen verteilt wird. Eine kurze Umfrage im Freundeskreis ergab, dass die meisten darauf setzen, dass die Frau verhütet, und zwar hauptsächlich mittels der Pille oder einer Spirale. Ein interessanter Unterschied ergab sich hier bei der Finanzierung. Die Kosten für die Pille, rundgerechnet circa 12 Euro im Monat, übernimmt in meiner Umfrage zu Großteilen die Frau. Die Kosten für die Spirale, circa 200 bis 400 Euro, werden häufiger geteilt, vielleicht wegen des psychologischen Vorteils der hohen Anschaffungskosten. Allerdings auch nicht immer. Ein Beziehungspartner weigerte sich mit dem Argument, die Spirale würde fünf Jahre halten und er wisse schließlich nicht, ob sie dann noch zusammen wären (kleiner Hinweis: ein prima Argument um einzusehen, dass so jemand nicht der Richtige ist). Einige verhüten mit Kondomen, wobei hier häufiger der Mann die Kondome kauft. Ganz wenige verhüten mit waghalsigen Methoden wie Coitus interruptus (tut es nicht, es sei denn, ihr wollt Kinder) oder nur an Tagen, an denen eigentlich nichts passieren dürfte (auch das ist keine gute Idee). Alles in allem ergibt sich ein recht klares Bild: Die Frau ist dafür verantwortlich, sowohl physisch als auch wirtschaftlich. Aber ist das so richtig?

Verhütungsmethoden für den Mann sind auf dem Weg ... eingeschlafen. 

Studien zur Pille für den Mann wurden abgebrochen, nachdem 10 Prozent der Testpersonen über starke Nebenwirkungen wie Depressionen geklagt hatten. Ich will das Leid der Herren nicht schmälern, aber…ihr wisst, was ich sagen will. Auch das Samenleiterventil des Erfinders Clemens Bimek, bei dem Mann seine Fruchtbarkeit mittels eines durch den Hodensack zu bedienenden Schalters völlig gefahrlos aus- und anschalten kann, hat es nicht bis zur Marktreife geschafft und fristet ein Dasein in der Entwicklungsvorhölle.

Auf zwei Schultern trägt sich das Thema viel besser 

Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Notwendigkeit der gerecht verteilten Verhütungsthematik nicht dringlich genug ist, um ein bisschen mehr Engagement zu zeigen. Offenbar ist die ganze Chose so heikel für das männliche Geschlecht, dass die mit größerer Angst besetzt ist, als gesellschaftlich gut ist. Eine Partnerschaft ist aber nur dann wirklich auf Augenhöhe, wenn jedes Thema gerecht aufgeteilt ist. Und das bedeutet, dass es Zeit ist, mit dem Irrglauben, dass Verhütung Frauensache ist, aufzuräumen. Verhütung ist nämlich eines dieser Themen, die man prima auf zwei Paar Schultern verteilen kann.

Alles Liebe,
Paula